MDRC Logo
Übersicht
EN RU
← Wissensbereich

Benennungsumfang · Bewertungskompetenz · MDR

MDA-, MDN-, MDS- und MDT-Codes unter der MDR verstehen

Diese Codes bestimmen nicht, ob ein Produkt der Klasse I, IIa, IIb oder III angehört. Sie beschreiben den Benennungsumfang und die Fachkompetenz, die für seine Konformitätsbewertung erforderlich sind.

10 Minuten Lesezeit
Das Codesystem verstehen ↓

Der entscheidende Unterschied

Die Risikoklasse bestimmt den regulatorischen Weg. MDR-Codes helfen festzustellen, wer ihn kompetent bewerten kann.

Die Einstufung in Klasse I, IIa, IIb oder III erfolgt nach Anhang VIII der MDR. MDA-, MDN-, MDS- und MDT-Codes erfüllen eine andere Aufgabe. Sie definieren den Benennungsumfang einer Benannten Stelle und unterstützen die Auswahl entsprechend qualifizierter Prüfer und Auditoren.

01

Wozu die Codes dienen

Die Durchführungsverordnung (EU) 2017/2185 legt Codefamilien fest, mit denen der Benennungsumfang Benannter Stellen präzisiert wird. Dieselben Codes helfen Benannten Stellen, die Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu beschreiben und die für eine bestimmte Konformitätsbewertung erforderliche Kompetenz festzustellen.

Für Medizinprodukte unter der MDR ist das System mehrdimensional. Ein Code beschreibt Auslegung und Zweckbestimmung des Produkts. Zusätzliche horizontale Codes erfassen Merkmale und Fertigungstechnologien, für deren Bewertung besondere Fachkenntnisse erforderlich sind.

01

Benennungsumfang

Die Codes zeigen, welche Produktarten und Technologien eine Benannte Stelle bewerten darf.

02

Antragsprüfung

Sie helfen zu bestätigen, dass das Produkt in den genehmigten Benennungsumfang fällt.

03

Personalauswahl

Sie unterstützen die Auswahl von Prüfern und Auditoren mit geeigneten Kenntnissen und Erfahrungen.

Zwei unterschiedliche Systeme

MDR-Codes sind weder die Klassifizierungsregeln aus Anhang VIII noch die EMDN-Nomenklaturcodes, mit denen Produktkategorien in EUDAMED identifiziert werden.

02

MDA- und MDN-Codes

MDA- und MDN-Codes spiegeln Auslegung und Zweckbestimmung des Produkts wider. MDA-Codes gelten für aktive Medizinprodukte, MDN-Codes für nicht aktive Medizinprodukte. Sie können ein medizinisches Anwendungsgebiet, ein physikalisches Prinzip oder ein besonderes technologisches Merkmal beschreiben.

Diese Codes sind vor allem für die Auswahl des Personals relevant, das die technische Dokumentation und produktbezogene Aspekte der Bewertung prüft.

Aktive Medizinprodukte

MDA

  • MDA 0101 Aktive implantierbare Produkte zur Stimulation, Hemmung oder Überwachung
  • MDA 0201 Aktive nicht implantierbare bildgebende Produkte mit ionisierender Strahlung
  • MDA 0306 Aktive Produkte für extrakorporalen Kreislauf sowie Verabreichung oder Entnahme von Substanzen
  • MDA 0315 Software

Nicht aktive Medizinprodukte

MDN

  • MDN 1102 Nicht aktive Knochen- und orthopädische Implantate
  • MDN 1203 Führungskatheter, Ballonkatheter, Führungsdrähte und zugehörige Instrumente
  • MDN 1210 Produkte zur Empfängnisverhütung oder Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten

Wie der Hauptcode ausgewählt wird

Jedem Produkt wird grundsätzlich genau ein MDA- oder MDN-Code zugeordnet. Ein Produkt kann zunächst zu mehreren Codes zu passen scheinen, weil die Liste sowohl medizinische Anwendungsgebiete als auch physikalische oder technologische Prinzipien umfasst.

Scheinen mehrere Codes anwendbar zu sein, ist gemäß MDCG 2019-14 grundsätzlich der anwendbare Code auszuwählen, der in der Liste weiter oben steht. Die Reihenfolge räumt Codes Vorrang ein, die spezifischere technologische Kenntnisse verlangen. Zweckbestimmung und wesentliches physikalisches oder technologisches Prinzip des Produkts müssen dennoch berücksichtigt werden.

In Ausnahmefällen kann ein anderer Code besser geeignet sein, um qualifiziertes Personal einzusetzen. Die Benannte Stelle sollte die Begründung für eine solche Abweichung dokumentieren.

Mehrere Codes erscheinen passendZweckbestimmung und Technologie prüfen
→
Einen Hauptcode auswählenGrundsätzlich den weiter oben aufgeführten anwendbaren Code
→
Kompetenz bestätigenAlle relevanten Komponenten und Risiken abdecken

Eigenständige Medizinproduktesoftware wird MDA 0315 zugeordnet. Ist Software in ein physisches Produkt integriert oder steuert sie dieses, ersetzt sie nicht dessen primären MDA- oder MDN-Code. Das Softwaremerkmal wird grundsätzlich durch MDS 1009 ergänzt.

03

MDS-Codes

MDS-Codes sind horizontale Codes für besondere Merkmale eines Produkts. Ein Produkt kann keinen, einen oder mehrere MDS-Codes erhalten. Nach Festlegung des MDA- oder MDN-Codes sollten alle anwendbaren MDS-Codes zugeordnet werden.

Sie stellen vor allem sicher, dass das Team zur Prüfung der technischen Dokumentation über Fachwissen zu Merkmalen wie Sterilität, enthaltenen Arzneimitteln, Software, Nanomaterialien oder Messfunktionen verfügt. Bestimmte MDS-Codes können auch für Auditoren besonderer Prozesse relevant sein.

MDS 1001

Produkte, die Arzneimittel enthalten

MDS 1005

Produkte in sterilem Zustand

MDS 1007

Produkte, die Nanomaterial enthalten oder daraus bestehen

MDS 1009

Produkte mit Software, Softwarenutzung oder Softwaresteuerung

MDS 1010

Produkte mit Messfunktion

MDS 1011

Produkte in Systemen oder Behandlungseinheiten

Beispiel

Ein steriles, teilweise resorbierbares Implantat mit einem Antibiotikum kann MDS 1005 für Sterilität, MDS 1008 für Resorption oder lokale Verteilung und MDS 1001 für den enthaltenen Arzneistoff benötigen.

04

MDT-Codes

MDT-Codes beschreiben Technologien und Prozesse, die bei der Herstellung und Bereitstellung von Produkten eingesetzt werden. Sie sind vor allem für die Auswahl qualifizierter Standortauditoren relevant.

Einem Produkt werden grundsätzlich ein oder mehrere MDT-Codes zugeordnet. Dabei sind die Herstellung des Produkts selbst und relevante kritische vorgelagerte Produktionsschritte zu berücksichtigen. Die Codes sollten jedoch nicht automatisch auf die gesamte Lieferkette ausgedehnt werden.

MDT 2001

Metallverarbeitung

MDT 2005

Biotechnologie

MDT 2008

Reinräume und zugehörige kontrollierte Umgebungen

MDT 2009

Verarbeitung von Material menschlichen, tierischen oder mikrobiellen Ursprungs

MDT 2010

Elektronische Komponenten einschließlich Kommunikationsgeräten

MDT 2011

Verpackung einschließlich Kennzeichnung

Was bei ausgelagerter Herstellung gilt

Ein ausgelagerter Prozess verliert seine Bedeutung nicht dadurch, dass er von einem Lieferanten ausgeführt wird. Kritische vorgelagerte Prozesse müssen bei der Ermittlung der erforderlichen Kompetenz berücksichtigt werden. Ob ein bestimmter Lieferant oder Unterauftragnehmer auditiert werden muss, hängt von der Bedeutung der Tätigkeit, den damit verbundenen Risiken und der Kontrolle des Herstellers über den ausgelagerten Prozess ab.

05

Wie die Codes zugeordnet werden

Der Hersteller schlägt die anwendbaren Codes normalerweise bei der Antragstellung vor. Die Benannte Stelle prüft anschließend, ob der vorgeschlagene Codesatz korrekt ist, ob das Produkt in ihren Benennungsumfang fällt und ob entsprechend qualifiziertes Personal verfügbar ist.

Sind die vorgeschlagenen Codes unvollständig oder falsch, kann die Benannte Stelle sie korrigieren oder neu zuordnen. Das endgültige Profil sollte das Produkt, seine Zweckbestimmung, relevante Merkmale und die zu bewertenden Herstellungsprozesse abbilden.

01Hersteller

Identifiziert das Produkt und schlägt die anwendbaren Codes im Antrag vor.

02Benannte Stelle

Prüft den Codesatz und bestätigt, dass das Produkt in ihren Benennungsumfang fällt.

03Bewertungsteam

Prüfer und Auditoren werden entsprechend dem vollständigen Produktprofil ausgewählt.

Die korrekte Codezuordnung kann verhindern, dass erst spät festgestellt wird, dass einer Benannten Stelle der erforderliche Benennungsumfang oder qualifiziertes Personal fehlt. Sie ändert jedoch nicht die Risikoklasse des Produkts und ersetzt nicht die regulatorische Analyse des Herstellers.

06

Beispiel einer Infusionspumpe

Betrachten wir eine softwaregesteuerte Infusionspumpe mit Messfunktion und elektronischen Komponenten. Ihr Codeprofil könnte die folgenden Codes enthalten.

InfusionspumpeBeispielhaftes Bewertungsprofil
MDA 0306

Ihre Hauptfunktion umfasst die Verabreichung von Substanzen.

MDS 1009

Sie wird durch Software gesteuert.

MDS 1010

Sie verfügt über eine Messfunktion.

MDT 2010

Bei ihrer Herstellung werden elektronische Komponenten verwendet.

Weitere MDT-Codes können ebenfalls anwendbar sein. MDT 2011 kann für Verpackung und Kennzeichnung relevant sein, MDT 2008 bei einer Herstellung in Reinräumen oder zugehörigen kontrollierten Umgebungen. Die endgültige Auswahl hängt vom tatsächlichen Produkt und den konkreten Herstellungsbedingungen ab.

07

Was sich unter der IVDR ändert

MDA, MDN, MDS und MDT sind die Codefamilien für Medizinprodukte unter der MDR. Für In-vitro-Diagnostika legt Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2185 ein eigenes Codesystem fest.

IVR

Auslegung und Zweckbestimmung des IVD

IVS

Besondere Merkmale des IVD

IVT

Fertigungstechnologien des IVD

IVP

Prüfverfahren, die besondere Kenntnisse erfordern

Die Grundlogik ist ähnlich, weil die Codes den Benennungsumfang und die Personalkompetenz beschreiben. Die Codefamilien und Zuordnungsregeln unterscheiden sich jedoch. Für IVD sind deshalb die IVDR-Liste und MDCG 2021-14 heranzuziehen.

Praktisch betrachtet

Erstellen Sie ein vollständiges Bewertungsprofil, keine weitere Produktklassifizierung

Der MDA- oder MDN-Code beschreibt die Hauptkategorie von Auslegung und Zweckbestimmung. MDS-Codes ergänzen besondere Merkmale, während MDT-Codes die Fertigungstechnologien und Prozesse erfassen, für deren Audit entsprechende Kompetenz erforderlich ist.

Gemeinsam helfen diese Codes festzustellen, ob eine Benannte Stelle einen Antrag annehmen kann und welche Fachleute an der Konformitätsbewertung teilnehmen sollten. Sie unterstützen die Bewertung, bestimmen aber weder die MDR-Risikoklasse noch ersetzen sie die EMDN-Nomenklatur.

Offizielle Quellen

Bereiten Sie einen Antrag bei einer Benannten Stelle vor?

Prüfen Sie den Benennungsumfang vor Beginn der Bewertung

MDRC unterstützt Hersteller dabei, den regulatorischen Weg festzulegen, das anwendbare Codeprofil zu bestimmen und die technische Dokumentation für die Bewertung durch eine Benannte Stelle vorzubereiten.

Produkt besprechen ↗
↑